Jugendorchester begeisterte

Hauptstück der Seminararbeit waren wohl die „Fünf leichten Stücke für Orchester" von Xaver Thoma. Die Bezeichnung „leicht" ist trotz mancher rhythmischer Schwierigkeiten für die Spieler gedacht, denn für die Zuhörer war es nach Mozart ein Schock. Ganz leicht war es wohl auch für die Spieler nicht, denn bereits für das Seminar 1983 geschrieben, konnte es erst in diesem Jahr realisiert werden. Nach dem „Prolog" gab der Komponist eine kurze Einführung für die neuen Klangstrukturen, den Einsatz des vielseitigen Schlagwerks, die Anwendung neuerer Instrumentaleffekte, damit der Hörer einen besseren Kontakt findet, was bei der Wiederholung des „Prolog" auch spürbar wurde. Seine Musik spiegelt in immer wieder kurzen Floskeln sowohl die Zerrissenheit unserer Zeit wie auch die Sehnsucht nach einer anderen Welt in melodischen Linien wider. Am eingängigsten war wohl das dritte Stück (den Bläsern vorbehalten), ein „Marsch", der ebenfalls die Gegensätze von Schützenmarsch und Trauermarsch aufzeigte. Im 4. Stück, „Harlekin", war Übermut, aber auch Besinnlichkeit (bei den Streichern) zu hören. Mit dem, „Nachtstück" endete das ganze Werk wie mit einem Fragezeichen: Was wird kommen?
Ejz 12.9.1984

Auch Ungewohntes

Aber danach bereitete Wulff-Dieter Irmscher, der Leiter der Musikschule und des Jugendorchesters, das Publikum auf Ungewohntes vor. Xaver Thoma, ein zeitgenössischer Komponist, Bratscher im Bayreuther Festspielorchester, habe 1983 5 Stücke für Jugend'- Orchester geschrieben, deren moderne Klangstruktur nicht so eingängig sei. Dieser Thoma schreibe keine laute Musik. Zu hören waren „Prologue"und „Adagietto". Aus einzelnen musikalischen Gedanken zusammengesetzt schien vor allem der „Prologue" ein Klang-Kaleidoskop zu sein, übrigens mit lauten Stellen darin. Im Adagietto flirrten die Geigen, wehten melodischen Impressionen wie zarte Schleier.
Schwierig zu spielen war das alles, aber die Musiker schafften das sehr gut. Wiederholt wurden diese Stücke, weil Wulff-Dieter Irmscher meinte, beim zweiten Hören erschließe sich diese eigenwillige Musik besser. Damit hatte er recht. An das ungewohnte Klangbild nun gewöhnt, konnten die Hörer sich mehr auf die Zusammenhänge innerhalb der Kompositionen konzentrieren und diese leichter erkennen.
HB
RP 31.3.1992